Facebook-Facetten: Eine Analyse

Facebook pr?gt unser Leben, es ist zum Leitmedium unserer Generation geworden. Wie es uns pr?gt und nach welchen Logiken es funktioniert wird im Buch?Generation Facebook. über das Leben im Social Net?von Oliver Leistert und Theo R?hle behandelt. Ist Facebook eine Gefahr für das anonyme Individuum, eine Chance für die berufliche Karriere, eine Goldgrube für Werbung und Marketing oder einfach nur eine triviale Modeerscheinung? Christoph Krummenacher hat für unseren Blog das Buch gelesen.


Wovon handelt das Buch?
?Die gesellschaftliche, ?konomische und politische Relevanz und Konsequenzen von Facebook?Das heisst, dass…?Social Network Sites im heutigen Alltag eine immer wichtigere Rolle spielen – sowohl im sozialen, beruflichen wie im politischen Bereich. Facebook hat sich unter den vielen Anbietern zur unumstrittenen Nummer eins dieser Onlinedienste entwickelt und pr?gt damit mehr und mehr die Gesellschaft, die Facebook nutzt. Dieses Buch untersucht diese Auswirkungen sowie die M?glichkeiten und Gefahren, die sich aus der Entwicklung ergeben.?Und das bedeutet??In 16 Beitr?gen von den verschiedensten Autoren wird das Ph?nomen Facebook untersucht und umrissen. Die einzelnen Beitr?ge sezieren dabei sorgf?ltig einzelne Facetten und legen Argumente dar, wie FB funktioniert und welche Folgen es hat. Die Beitragsarten reichen von sozialtheoretischen Aufs?tzen (Geert Lovink), Analysen der Selbstdarstellung (Carolin Wiedemann) und politischen Analysen (Langlois, Elmer, McKelvey) über Untersuchung der Karrierewerkzeuge (Mark Andrejevic) bis zu kurzen Kommentaren aus Praxis und Alltag (Anne Roth, Frank). Zum Teil visualisieren Grafiken die Zahlen und bekannte Fotos gelangen in die Diskussion. Die jungen wie ?ltere, auf der ganzen Welt forschende Autoren beleuchten und den Untersuchungsgegenstand indes von verschiedensten Seiten sezieren: Medien- und Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Kunst- und Kulturwissenschaft, Philosophie, Politik und politische ?konomie, Informatik. Der Wert des Buches ergibt sich aus der Summe der einzelnen Teile – eine Parallele zu FB.?Was ist weiter hervorzuheben??Sicherlich die neue Art von Sozialit?t, die sich durch FB ergibt.?Mark Andrejevic?(Autor von diversen Artikeln über neue Medien, popul?re Kultur und überwachung) beschreibt diesbezüglich die Chancen der Nutzung von FB als Personalvermittlungsplattform, wobei er gleichzeitig kritisiert, dass dies umgekehrt auch ein Eindringen des Arbeitsplatzes in das Sozialleben bedeute, ebenso wie eine Kommerzialisierung des Sozial-lebens, sobald Freundschaften als potenzielle Kundenbeziehungen in den Blick von Marketing und Werbung geraten.?Lieblingspassage??Spannend wird das Buch an den Stellen, wo Intertextualit?t entsteht, so etwa im Aufsatz der amerikanischen Soziologin?Saskia Sassen. Sie erkl?rt, dass verschiedene ?kologien verschiedene ?Logiken“ besitzen: Eine Gruppe, die Geld sammeln will für ihre Idee, folgt einer anderen Logik als eine politische Protestbewegung, welche Menschen motivieren will etwas zu tun – obwohl beide die Facebook-Gruppen-Funktion als technisches Mittel nutzen. Der deutsche Kulturtheoretiker?Dirk Baecker?dagegen sieht in Facebook die Theorie von Gary S. Becker best?tigt, welche besagt, dass die Menschen alle dieselben Pr?ferenzen und Ziele haben und sie sich lediglich durch die ihnen zur Verfügung stehenden Mittel unterscheiden (woraus er schliesst, dass es zwischen FB-Usern nur Unterschiede in den Details gibt, w?hrend sie aber alle auf dasselbe aus sind).?Gibt es Probleme mit dem Buch??Das Problem des Buches liegt in seiner St?rke: Die einzelnen Beitr?ge lassen sich schlussendlich nur bedingt zu einem schlüssigen ganzen Bild von FB zusammenfügen. Zu verschieden und zu spezifisch liegen die Facetten gleichsam als Splitter in der Social-Media-Landschaft. Und die Beitr?ge sind nur Streiflichter auf einige Aspekte. Gleichwohl l?sst sich die enorme Reichweite von FB erahnen, welche in Zukunft noch intensiver untersucht (auch mit Daten und Statistiken) werden muss.?Warum sollen wir dieses Buch lesen??Facebook hat über 3 Millionen Nutzer in der Schweiz, davon ist die H?lfte unter 30 Jahre alt: Facebook betrifft viele Leute, je l?nger je mehr. Genau deswegen ist es wichtig, die verschiedenen Funktionen und M?glichkeiten, aber auch die Schattenseiten dieses Tools zu kennen. Genau das leistet dieses Buch: Es bietet eine Tour durch den virtuellen Raum der Idee Facebook, auf welcher Türen ge?ffnet werden, um so der ganzen Dimension auf die Schliche zu kommen und einen Blick zu entwickeln, welche Bereiche des sozialen, politischen und ?konomischen Lebens Facebook beeinflusst. Insofern schafft es das Buch, dem Leser seinen Horizont so zu erweitern, dass er danach Facebook sensibler nutzt und wahrnimmt, als zuvor.?Zusammenfassend…?bleibt der Grundton der diversen Texte. Man ahnt es: kritisch und warnend. Immer wieder werden Passagen aus den AGBs von FB zitiert oder auf die mangelhafte Sicherheit hingewiesen. Der fahle Nachgeschmack, den das Buch hinterl?sst, liesse sich vielleicht am besten mit den Worten des Software-Entwicklers Frank (er wertet zug?ngliche FB-Daten aus, um seinen Kunden die Wirkung ihrer FB-PR-Arbeit zu zeigen) auf S. 77 im Buch ausdrücken: ?Ich glaube, eigentlich ist FB nur eine Plattform, um auf sehr effektive Weise Lebens- und Konsumdaten von m?glichst vielen Menschen zu sammeln, wobei die Art der Verwertung offen ist. Das ?Soziale“ in ?Social Media“ ist nur Mittel zu dem Zweck, dass die User ihre Daten freiwillig zur Verfügung stellen. Der hohe B?rsenwert von FB ist wahrscheinlich weniger durch die eigentlichen j?hrlichen Gewinne begründet als durch die Erwartung, dass sich eine gigantische Datensammlung über mittlerweile ein Zehntel der Menschheit in Zukunft schon irgendwie lohnen werde.“

Zum weiterlesen empfehlen wir zu?Facebook-Nutzerzahlen?in der Schweiz den folgende?ARD-Doku: “Facebook – Milliardengesch?ft Freundschaft”?

Diese Rezension erscheint zeitgleich auf dem?Mewi-Blog?der Tageswoche Basel

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